Syndikalistische Initiative

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Was ist Syndikalismus

Der Syndikalismus ist eine revolutionäre Gewerkschaftsbewegung. Er wurde Anfang des 20. Jahrhunderts als revolutionäre Alternative zu den reformistischen Gewerkschaften sozialdemokratischen Zuschnitts entwickelt.

Verbreitung fand der Syndikalismus nicht nur in Europa, wo er in vielen Ländern von Frankreich bis Skandinavien über die Mehrheit in der Gewerkschaftsbewegung verfügte, sondern auch in Nord- und Lateinamerika. Die Spielart „Anarcho-Syndikalismus” war Haupttriebkraft der sozialen Revolution vor und während des Spanischen Bürgerkriegs.

Ziel des Syndikalismus ist die Soziale Revolution, ein Leben ohne Ausbeutung und Herrschaft. Demnach richtet er sich vor allem gegen kapitalistische und autoritär hierarchische Herrschaftssysteme.

Der Syndikalismus lehnt den politischen Kampf – die Erlangung der Macht im Staat, Beteiligung an politischen Wahlen etc. – ab. Er agiert auf der Ebene der ökonomischen und sozialen Kämpfe, vor allem des Klassenkampfs. Neben den „Methoden” von der Arbeitsniederlegung bis zur Sabotage propagiert der Syndikalismus den Generalstreik als mächtigste Waffe der ArbeiterInnenschaft. Die Kämpfe sollen möglichst unvermittelt im Zusammenhang mit der jeweiligen sozialen oder ökonomischen Konfliktsituation stehen – die Direkte Aktion ermöglicht selbstbestimmte Kämpfe der ArbeiterInnen.

Im wirtschaftlichen Kampf gilt jede Initiative, die den gesellschaftlichen Reichtum von der Kapitalistenklasse zum Proletariat umverteilt in sich als revolutionär – sei dies eine Lohnerhöhung, die Verkürzung der Arbeitszeit oder eine sonstige Verbesserung der Arbeits- und Lebensverhältnisse der arbeitenden Klasse.

Die Organisationsform der Gewerkschaft soll die Organisation einer befreiten Gesellschaft vorwegnehmen. Die syndikalistische Gewerkschaft ist föderal und basisdemokratisch organisiert (z. B. mittels imperativen Mandat nach dem Rätemodell). Die Befreiung des Proletariats kann nur durch die ProletarierInnen selbst erfolgen; demnach lehnt der Syndikalismus Stellvertreterpolitik und Berufspolitiker bzw. -revolutionäre ab.

Der Syndikalismus postuliert die „Pflicht” der ProletarierInnen in Gewerkschaften organisiert zu sein – ansonsten drohnt die totale kapitalistische Barbarei und ein freies Leben wird immer nur eine Utopie bleiben.

Trotz seiner Stärke in den 20er Jahren des vorherigen Jahrhunderts wurde der Syndikalismus in der politischen und sozialen Katastrophe der 30er und 40er Jahre zwischen Faschismus und Bolschewismus aufgerieben. Nach der Befreiung vom Faschismus konnte der Syndikalismus seine ehemalige Stärke nicht wieder erlangen. Das Proletariat wurde sowohl im Westen – durch Sozialpartnerschaft und repressiven Konsumismus – als auch im Osten durch den autoritären Sozialismus seiner eigenständigen Initiative beraubt.

Stärkere syndikalistische Gewerkschaften gibt es heute noch in Schweden, das vom Faschismus verschont blieb, aber in vielen Ländern gibt es Initiativen und Bewegungen, die den Syndikalismus wieder beleben.

Was will die Syndikalistische Initiative

Das Elend des Lebens im Kapitalismus wird nur durch das elende Kriechertum unserer Gewerkschaften überboten. In der Sozialpartnerschaft verwaltet sie die Ausbeutung mit, anstatt offensiv für eine Verbesserung der Lebensbedingungen zu kämpfen. Die SekretärInnen und PräsidentInnen klüngeln mit den Spitzen aus Wirtschaft und Politik.

Die Gewerkschaften betreiben eine paternalistische oligarchische StellvertreterInnenpolitik, die einzelnen MitgliederInnen haben genauso wenig mitzureden wie ein Großteil der direkt gewählten BetriebsrätInnen. Es gibt kaum Möglichkeiten sich in den Gewerkschaften zu engagieren, außer man ist FunktionärIn. Völlig außen vor bleiben Arbeitslose oder prekär Beschäftigte. Es erweckt ganz den Anschein als ob sich die Gewerkschaften am meisten vor dem Engagement ihrer eigenen MitgliederInnen fürchten würden.

Leider haben wir keine anderen Gewerkschaften, keine alternativen Strukturen.

Wir wollen eine Perspektive für eine kämpferische und revolutionäre Gewerkschaftspolitik in Österreich entwickeln. Dabei stehen für uns das Führen von Kämpfen und das Erlangen von Siegen im Mittelpunkt. Wir wollen keine x-te Kleingruppe sein, die zwar die Reinheit der Lehre über die Klippen der Geschichte gerettet hat, um letzendlich dennoch auf derem Misthaufen zu landen, weil sie keine relevanten Beiträge zu den gesellschaftlichen Auseinandersetzungen leisten kann oder will.

Unsere Theorie will eine praktische sein. Wir wollen lernen von den Kämpfen der Vergangenheit und der Gegenwart, von den Erfahrungen der proletarischen Geschichte und die Möglichkeiten der Klasse sowie der/die einzelnen ArbeitsverkäuferIn erweitern, in den ökonomischen und sozialen (Alltags-) Kämpfen zu bestehen. Unser Vorgehen wird offensiv sein: Wir wollen uns nicht mit der geringeren Verschlechterung unseres Lebens abspeisen lassen – wir nehmen uns einen Teil von Kuchen nach den anderen bis wir den ganzen haben und die Bäckerei dazu.

Als SyndikalistInnen engagieren wir uns vor allem in ökonomischen und sozialen Auseinandersetzungen. Politische und kulturelle Fragen können eine Rolle spielen, aber wir gestehen allen, die bei uns mitarbeiten wollen und allen, die um unsere Unterstützung bitten, zu, nach ihren eigenen ideologischen Prinzipien zu leben. Keine Zugeständnisse diesbezüglich machen wir nur bei faschistischen, sexistischen, rassitischen und antisemitischen Ansichten und Aktivitäten – hier sind wir unbahrmherzig!

Unsere Präsenz in der Öffentlichkeit wird sich vor allem den praktischen Fragen im Arbeits(losen)-Leben widmen. Wir werden regelmäßig nützliche Informationen zu arbeits- und sozialrechtlichen Fragen ausarbeiten, über geplante Änderungen im Arbeits- und Sozialrecht informieren und über laufende Kämpfe berichten.

Klassensolidartät verstehen wir als Praxis. Gegenseitige Unterstützung, Solidaraktionen und Beratung zusammen ergeben das Rüstzeug für gemeinsame Kämpfe, um kollektiv die Klasse aufzuheben und für freies selbstbestimmtes Leben ohne Ausbeutung.

Wir maßen uns nicht an, eine Gewerkschaft zu sein.


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